Bürgerschaftliches Engagement, Sanierung

Das „Drei-Kaiser-Denkmal“ auf der Hardt

28/11/2012/Felstau

Für die Wertigkeit des Gartendenkmals Hardt/Botanischer Garten ist das seltene frühbürgerliche „Drei-Kaiser-Denkmal“ von großer Bedeutung. Nach dem bedeutenden Gartentheoretiker Hirschfeld sollen in von Bürgern initiierten Anlagen vor allem Denkmäler, die an gemeinnützige Bürger und an nationaler Ereignisse erinnern, aufgestellt werden.

Das unrestaurierte Denkmal

Im selben Jahr wie in Elberfeld,  wurde auch das von Schinkel entworfene Denkmal auf dem Berliner Kreuzberg errichtet. Dieses wurde selbstverständlich fachgerecht restauriert, damit es der Nachwelt erhalten bleibt. Würden wir in Wuppertal darauf verzichten, würden wir in absehbarer Zeit nur noch einen Steinhaufen bewundern können, der allerdings von der restaurierten! Säule für Friedrich Wilhelm den III. überragt wird. Ein inkonsequentes Verhalten! Eine notwendige Maßnahme ist sicherlich, über die Geschichte des Denkmals vor Ort ausführlicher zu informieren als bisher. Hier finden Sie eine Zusammenstellung zur wechselhaften Geschichte des Denkmals von Dr. Antonia Dinnebier als PDF.

Bezüglich des „Drei-Kaiser-Denkmal“ wird unter Außerachtlassung der gegenwärtigen Diskussionen darauf hingewiesen, dass es vor allem aus Freude über die Befreiung vom napoleonischen Joch errichtet wurde. Diese Befreiung wurde vom größten Teil nicht nur der Elberfelder Bevölkerung geteilt.

Das verhüllte Drei-Kaiser-Denkmal

Das fertige Denkmal am Tag der Enthüllung

Gerne Veröffentlichen wir daher folgenden Aufruf:

Aufruf an die Bürger Wuppertals zur vollen Wiederherstellung des Drei-Kaiser-Denkmals

Auf der Hardt in Elberfeld steht das sogenannte „Drei-Kaiser-Denkmal„. Es erinnert an die Befreiungskriege, in denen vor 200 Jahren die Völker Europas das napoleonische Joch abschüttelten. Das russische Volk, das österreichische Volk und das Volk des preußischen Deutschlands mit den verbündeten deutschen Staaten waren dabei die wichtigsten Akteure. Auf drei Stelen stehen die Namen der damaligen Herrscher, des Zaren von Russland, des Kaisers von Österreich und des Königs von Preußen. Sie verkörperten symbolhaft die beteiligten Nationen. Aber es waren weder Zar noch Kaiser oder König, die Europa von der Tyrannei Napoleons befreiten, sondern die Völker dieser Nationen, es waren unsere Vorfahren!

Es waren die Bürger unserer Stadt, die 1814 zum ewigen Angedenken auf dem Neumarkt in Elberfeld eine „Freiheitseiche“ pflanzten. Drei Jahre später umgaben sie diese mit einer Umgrenzung aus Stein und Eisen und mit vier Stelen.

Es waren Bürger unserer Stadt, die das auf die Hardt verpflanzte, in Kriegs- und Nachkriegszeit beschädigte und dann verschwundene Denkmal aus der Abstellkammer der Geschichte herausholten und die Restaurierung starteten. Dafür sind wir dankbar.

Aber das Denkmal ist noch nicht vollständig restauriert. Die Stelen des Zaren und des Kaisers sind schon fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Der Gegensatz zwischen der schön aufgearbeiteten preußischen Königsstele samt unmittelbarer Umgebung und dem rohen Rest des Denkmals ist unerträglich und vermittelt den Eindruck eines Werturteils.

Liebe Bürger unserer Stadt, jetzt ist es an uns, zu unserer Geschichte zu stehen und für die vollständige Restaurierung eines der ältesten Denkmäler Wuppertals zu sorgen. Das Stadtsäckel kann dazu keinen Cent beitragen. Wohl aber hat Russland seine finanzielle Mithilfe angeboten. Das Drei-Völker-Denkmal gehört zu den positiven Gemeinsamkeiten  in der Geschichte beider Völker.

Dieser Aufruf soll auf das Denkmal aufmerksam machen. Er soll aber auch verhindern, dass der Rat der Stadt das Denkmal in den Akten verschwinden lässt, weil ja so viel Dringenderes zu tun ist. Wir befinden uns mit diesen Bemühungen in einem Boot mit dem Bergischen Geschichtsverein und dem Rheinischen Verein für Denkmalschutz  und Landschaftspflege, Regionalverband  Wuppertal-Solingen-Remscheid.

Bürger der Stadt Wuppertal, wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit!
Bitte sagen Sie uns oder der Öffentlichkeit Ihre Meinung zum Drei-Kaiser-Denkmal!
Und verbreiten Sie bitte diesen Aufruf in Ihrem Bekanntenkreis.

Danke!

Die Unterzeichner

Hans Königes
Zimbernweg 7
42107 Wuppertal
0202-4936657

Enthüllung des Drei-Kaiser-Denkmals auf der Hardt in Wuppertal-Elberfeld

Die Initiatoren bei der Enthüllung des restaurierten Denkmals am 9.11.2014

Infos zur Diskussion um das “Drei-Kaiser-Denkmal” auf der Hardt:

Zum geschichtlichen Hintergrund:

  • Der geistesgschichtliche Hintergrund der Befreiungskriege ist schön im Kapitel 10, S215-225, bei Rüdiger Safranski „Schopenhauer und Die wilden Jahre der Philosopie“ beschrieben.
  • Hans Hecker: 1812 – Napoleon in Russland. Eine Literaturschau
    Der russisch-französische Krieg von 1812 bis 1814 jährt sich zum 200sten Mal. Zu diesem Anlass sind mehrere, teilweise herausragende und glänzend geschriebene Bücher erschienen, die unterschiedliche Akzente setzen: Dominic Lieven würdigt vor allem die Rolle Russlands im Kampf gegen Napoleons Hegemonialstreben. Adam Zamoyski schildert umfassend den Verlauf des Russlandfeldzuges und geht dem Mythos Napoleon nach. Weitere Monographien und Memoiren erzählen die Ereignisse aus der Perspektive der einfachen Soldaten und verdeutlichen unmittelbar das Grauen des Krieges.
  • osteuropa
    Mythos Erinnerung
    Russland und das Jahr 1812 OSTEUROPA ist mehr als eine Zeitschrift. Sie analysiert Politik und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft im Osten Europas als Teil der globalisierten Welt. Themenhefte rücken Probleme in eine vergleichende Perspektive. OSTEUROPA wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) e.V.
  • »Öffentliche Denkmäler der Nation«.  Zur Erfindung des »Russischen« in der Potsdamer Stadt- und Gartenlandschaft. ANNA ANANIEVAin: Anna Ananieva, Alexander Bauer, Daniel Leis, Bettina Morlang-Schardon, Kristina Steyer (Hg.)
    Räume der Macht. Metamorphosen von Stadt und Garten im Europa der Frühen Neuzeit
    Juli 2013, ISBN 978-3-8376-2221-8In dem Beitrag des Sammelbandes wendet sich Anna Ananieva den Potsdamer Gartenprojekten Nikolskoe und Alexandrowka zu, die auf Initiative von Friedrich Wilhelm III von Preußen entstehen und ein Denkmal der russischen Holzarchitektur setzen. In den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, in der Zeit, als sich in den deutschen Ländern die nationale Idee konsolidiert, entstehen nicht nur in Potsdam, sondern auch in Weimar und Bayreuth neue Gartenpartien, die einen nationalen Charakter russischer Provenienz effektvoll in Szene setzen. Was die beiden Potsdamer Anlagen in gartenhistorischer Sicht auszeichnet, ist ihre oszillierende Stellung zwischen traditionellen, spielerischen Formen des Landschaftsgartens und modernen Vorhaben der Landesverschönerung, die sich in der Projektierung von Musterdörfern und Gartenstädten äußern. Die Autorin des Beitrages geht der Inszenierung des Russischen in den Gartenanlagen des frühen 19. Jahrhunderts nach, die sich im Geflecht von dynastischen Beziehungen, politischen und ästhetischen Strategien und individuellen und kollektiven Dimensionen einer Erinnerungskultur zwischen St. Petersburg und Berlin, Pavlovsk und Potsdam entfaltet.

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