Weyerbuschturm

Weyerbuschturm

Funkenflug vom Weyerbuschturm in die weite Welt gehört zur Geschichte
20 Meter über der Erde und 115 Meter über dem Tal Blick in die Ferne

Der Weyerbuschturm auf dem Nützenberg beziehungsweise der Kaiserhöhe ist eine Stiftung des Knopffabrikanten, Armenpfleger, preußischen Landtagsabgeordneten und Elberfelder Stadtverordneten Emil Weyerbusch (1846-1909) aus dem Jahre 1898. Er förderte Waisenhäuser, das Neviandt-Stift, den Elberfelder Verschönerungsverein und stiftete die künstlerisch gestalteten Glasfenster des ehemaligen Elberfelder Rathauses am Neumarkt, das noch heute als Verwaltungshaus dient. Weyerbuschs Knopffabrik befand sich in der Deweerthstraße. Es war wohl im November 1897, als sich der damalige Elberfelder Geheimrat und Oberbürgermeister Jaeger zur Ergänzung des Von der Heydt-Turmes auf dem gegenüberliegenden Kiesberg einen Zwillingsbruder auf dem „Nützenberge“ wünschte, damit eine „Porta Wupperana“ entstehen könnte. Der Wunsch Jaegers traf prompt auf offene Ohren von Emil Weyerbusch, der sich in der gleichen Ratssitzung bereiterklärte, den Turmbau zu finanzieren. Der hübsche Turm aus Blombacher Grauwacke wurde am 1. November 1898 eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Emil Weyerbusch formulierte zur Bestimmungsübergabe: „Schlank und doch festgefügt, erhebt er sich gen Himmel; die zierlichen Linien seines Mauerwerkes heben sich wirkungsvoll vom Horizont ab. Eine herrliche Rundsicht von der Zinne des Turmes belohnt die Mühe des Hinaufsteigens.“ 119 Stufen führen hinauf zur Plattform in 21,60 m Höhe. Die Gesamthöhe beträgt 30,50 m. Der Turm erhebt sich auf einem U-förmigen Grundriß. In halber Höhe tritt ein halbrunder Erker hervor, der einseitig über der Plattform als Rundturm mit einer spitzen Kupferhaube endet. Zur Aussicht vorgesehen waren drei Balkone unterhalb der Plattform, die von vier Zinnen umsäumt ist. Die Balkone wurden 1945 verschlossen und 1981/82 verschiefert. Um für seine Mitbürger dieses Ausflugsziel bauen zu können, mußte Emil Weyerbusch 45.021,73 Mark aufwenden, obwohl er eigentlich nur 25.612,91 Mark gestiftet hatte. Das ist ein Beleg dafür, daß auch vor einem Jahrhundert Kostensteigerungen keine Seltenheit waren. Darin eingeschlossen ist das 1900 erbaute ehemalige Wärterhaus, das mit dem Turm ein Denkmalensemble bildet und noch heute vom Ressort Natur und Freiraum der Stadt Wuppertal genutzt wird.

Weyerbuschturm

Während des Zweiten Weltkrieges diente der Turm als Flakleitstelle und die untere Plattform in 15 Meter Höhe wurde 1945 von englischen Truppen besetzt. Nach Kriegsende wurde er von Funkamateuren benutzt, die den unter der Plattform liegenden Raum ausbauten und Fenster einsetzten. Zwölf Jahre, bis 1972, hatte der Bund der Pfadfinder dort sein Domizil. Ab Juni des gleichen Jahres wurde der Raum vom Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. genutzt. Vom Nützenberg wurde in alle Welt gefunkt, aber auch so mancher Spruch empfangen. Die Antenne am Dachknauf war wie ein riesiges Ohr, das ins Signal- und Wellengewirr horchte. Mit Hilfe eines Drehmotors und Verstärkers konnten Funkerkollegen in 3.000 km Entfernung verstanden werden. Zum acht Quadratmeter großen, mit Gasflaschen beheizbarem Arbeitsraum gelangte der Besucher über eine wenig romantische Treppe, die sich an nackten Ziegelmauern „hochwendelt“.

Weitgehend unbekannt, aber dank der Forschungen von Ruth Meyer-Kahrweg (Buch „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“, Born-Verlag, 1991), an Tageslicht gefördert, ist die Tatsache, daß der heutige Aussichtsturm zwei Vorgänger aus Holz hatte. In den Jahren 1874 und 1880 waren vom Elberfelder Verschönerungsverein eine 40 Hektar große Parkanlage und zwei Aussichtstürme errichtet worden. Der letzte mußte 1888 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. In dunkler Nacht sollen die Holzgerüste so schaurig geklappert haben, daß sich im Volksmund der Name „Teufelsturm“ eingeprägt hat. Weyerbuschs Vermächtnis dagegen steht still und dauerhaft – eine gelungene Investition, die erhalten werden sollte.

Für die Öffentlichkeit ist der Turm, an dessen Stifter noch eine Steintafel mit dem Elberfelder Wappen erinnert, zur Zeit nämlich nicht zugänglich. 2013 hat der Förderverein Historische Parkanlagen den Weyerbuschturm von der Stadt Wuppertal gepachtet und die organisatorische Regie und die Gesamtverantwortung für die Instandsetzung des heute leider nicht zugänglichen Turms übernommen. (27.04.2013, kgc)

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