Kalkofenpark

Teil der Kalkregion Neandertal-Wülfrath-Wuppertal


Im Kalkofenpark


Karte der Kalkregion

Wann sind Sie das letzte Mal durch eine blühende Sommerwiese gegangen? Der Duft von Kamille und Thymian, die Symphonie von Farben, die von Blüte zu Blüte eilenden Schmetterlinge und Bienen erfüllen uns mit Freude und Glück.
Wann sind Sie das letzte Mal durch einen wild gewachsenen Wald gegangen? Andacht und Beklommenheit erfassen uns. Alles ist still, und wir erkennen, dass wir allein und der Natur ausgeliefert sind.

Wenn Ihnen diese Erfahrungen wertvoll sind, so besuchen Sie das neue Kleinod im Westen von Wuppertal, den „Kalkofenpark Eskesberg / Dorp“. Sollten Sie einen Park mit gepflegten Beeten und zu Kugeln und Fantasiegestalten getrimmte Büsche und Bäume erwarten, so werden Sie enttäuscht sein. Hier hat die Natur nach ihren Regeln den Park gestaltet.

Eskesberg

Korallen, Grundlage unseres Parks

Vor 370 Mio. Jahren befand sich unsere Erde im Zeitalter des Mitteldevons. Ein warmer Ozean breitete sich in unseren Gefilden aus und bot Korallen und den mit ihnen in Symbiose lebenden Algen Grundlage für ein ca. 300 m mächtiges Riff. Die Korallen bauten mit ihren zarten Skeletten in
80 Mio. Jahren ein Kalkriff vom Neandertal über Gruiten, Wülfrath, Wuppertal, Schwelm, Hagen, Hönnetal.

Aus Ernst Haeckel „Arabische Korallen“ (1875)

Heute baut die Kalkindustrie diesen hochwertigen Korallenkalk ab und verarbeitet ihn zu Produkten für fast alle Industriezweige, z.B. Stahl, Baustoffe, Glas, Leder, Pharmazie, Kosmetik, Wasseraufbereitung, Umweltschutz.
Der wichtigste Abnehmer von Kalk war und ist die Stahlindustrie. Hier wird der Kalk zur Schlackenbildung im Hochofenprozess eingesetzt.

Mit der Stahlindustrie und dem Bau der Eisenbahn entwickelte sich die frühindustrielle Kalkindustrie. Das bedeutet, man baute Öfen, die kontinuierlich große Mengen an Kalk in möglichst gleich bleibender Qualität herstellten, – aber alles noch in Handarbeit!

Die Kalköfen an Eskesberg und Dorp

Der erste frühindustrielle Ofentyp war der Trichterofen, so wie wir ihn am
E s k e s b e r g  besichtigen können.


Paul Reising Kalkofen 1989

Das Kalkwerk Eskesberg, ein Unternehmen von Lipken & Kampermann, nahm1878 seine Arbeit auf. Es wurde später an die RWK Rheinisch-Westfälische Kalkwerke AG verkauft.
1878 eröffnete die Bahn die Rheinische Strecke (heute Nordbahntrasse) mit je einem eigenen Zufahrtsgleis zum Eskesberg und zum Kalkwerk Dorp.
Der Eskesberger Trichterofen brannte bis 1942. Im Hinblick auf die feindlichen Flugzeuge, die sich an dem Feuerschein dieser Trichteröfen orientieren konnten, löschte die RWK das Feuer im Eskesberger Ofen. Er wurde Luftschutzbunker.

Im Kalkbruch arbeiteten bis 1945 Pumpen zum Abpumpen des Grundwassers. Englische Besatzungssoldaten zerschossen diese Pumpen, und welch Wunder: das Grundwasser stieg, und ein blaugrün schimmernder Naturbadesee entstand. Junge Leute zogen mit Klampfe und Proviant zum Eskesberg. Noch heute schwärmen die nun alt gewordenen Menschen von dieser unvergesslichen Zeit.

1956 kaufte die Stadt Wuppertal das Gelände und nutzte das „Loch“ des Badesees als Müllkippe. 10 Jahre lang rollten die Müllwagen zum Eskesberg.

Dem Kalkbruch  D o r p , vom Privatunternehmer August Knappertsbusch und seinen Nachkommen betrieben, erging es ähnlich. Die Stadt erwarb auch diesen Kalkbruch und verfüllte ihn mit Bauschutt und Trümmerschutt.

Aug. Knappertsbusch erhielt 1887 keine Genehmigung für den Bau eines Trichterofens. Er entschied sich stattdessen für den 2. frühindustriellen Ofentyp, für einen RINGOFEN. Im Gegensatz zum Trichterofen, der von oben kontinuierlich Schicht auf Schicht mit Kalk und Kohle befüllt wird, stapelt man Kalkquader in Kammern und lässt das Feuer horizontal von Kammer zu Kammer wandern.  Der Ringofen am Dorp wurde beim Verfüllen des Bruchs mit Bauschutt überdeckt und dieses Bodendenkmal wartet nun darauf, ausgegraben zu werden.

Ringofen am Dorp

Kalkbrüche Eskesberg (links) und Dorp 1926

Neues Leben am Dorp und Eskesberg

Der Startschuss für einen neuen Eskesberg und einen neuen Dorp fiel 1989: Die Stadt Wuppertal übergab den für DM 600.000 von ABM-Leuten restaurierten Trichterofen dem Fuhlrott-Museum. Der Ofen ist heute Außenstelle des Historischen Zentrums. Seit der Restaurierung finden jeden Sonntag von März bis November Führungen statt, dazu Sonderführungen, auch in anderen Sprachen.
Inzwischen interessierten sich auch die Naturwissenschafter für dieses durch die Müllschüttung verwüstete Gebiet. Und was stellten sie fest ? Es hatte sich eine außergewöhnliche wilde Flora ausgebreitet. Im Jahresbericht des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal von 1994 stellten Dr. Kolbe und Gartenamtsleiter Schmiedecke dieses Gebiets als Vorbild für andere Industriebrachen heraus.

In dieser „Natur aus 2. Hand“ wuchsen Königskerze, Sommerflieder, Weberkarde; Greifvögel zogen Ihre Bahn in dem offenen Gelände; Blindschleichen, Heupferdchen ließen sich von der Sonne wärmen; eine große Zahl wunderschöner Schmetterlinge begeisterte die Menschen.
Am Dorp entwickelte sich neben kleineren Blumenwiesen ein wild wachsender Wald.
Gemeinsam ist hier am Eskesberg und Dorp allen Pflanzen und Tieren die Vorliebe für den warmen Kalk- und Schuttboden, und sie genießen den sonnigen Südhang.

Moschusmalve
Natternkopf
Kleewidderchen
(Schmetterling)

NSG Naturschutzgebiet Eskesberg

Der ehemalige Kalkbruch Dorp entwickelte sich bis heute ungestört weiter, ausgewiesen als Landschaftsschutzgebiet.
Der Eskesberg, der als Kippe Müll jedweder Art aufgenommen hatte, beängstigte durch unkontrollierte Deponiegase. Außerdem bestand die Gefahr, dass Regenwasser die Chemikalien aus dem Müll in das Grundwasser spülen würde.

1995 entschloss sich die Stadt Wuppertal zu einer 3 Mill. teuren Sanierung : die Deponiegase werden aufgefangen und zentral verbrannt (Station östl. vom Kalkofen). Die oberen 2 m der Deponieerde mit Bewuchs wanderten zum Sondermüll. Kunststoffbahnen halten nun den Regen ab und verhindern die Verseuchung des Grundwassers.
Die Frage war: Wie kann man die bisherige Situation von Flora und Fauna wieder herstellen? Man beschloss, die entnommenen 2 m Boden durch nährstoffarme Rohböden zu ersetzen und dazu Kalkstein verschiedener Körnung über die gesamte Fläche zu verteilen. Nun sollte die Natur entscheiden, wie sie das Angebot nutzen wollte. Der Mensch griff in die Entwicklung nicht ein. Pflanzen und Tiere jedweder Art waren zur Landnahme eingeladen.
So war ein Naturschutzgebiet besonderer Art geboren:
Die Entwicklung fing beim Punkt Null an.

Abdichten mit Kunststoff-Dichtungsbahnen
Photo: H. Nobis


Einschieben des Rekultivierungsbodens
Photo: H. Nobis

Eskesberg und Dorp heute

Mit Spannung blickten die Naturschützer auf die ersten Pionierpflänzchen, die ersten Heuschrecken, die ersten Wildbienen und Schmetterlinge. Die Entwicklung ging schneller voran als gedacht.


Abgedeckter Bruch Eskesberg Stunde Null 2005

Wenn Sie heute an einem sonnigen Tag über den Eskesberg wandern, so werden Sie staunen, wie die Natur hier Besitz ergriffen hat: Sommerflieder, Königskerze, Weberkarde, Kamille; Blindschleichen sonnen sich auf den Kalkbrocken. Auf dem Dorp erleben Sie einen wilden Ruderalwald und eine besonders anmutige Sommerwiese.

Infotafel NSG 2008

Ergebnis eines fünfjährigen Monitorings

Seit der Renaturierung des NSG Eskesberg beobachten Studenten der Universität Köln im Auftrag der Akademie für Umwelt- und Landschaftsschutz NRW die Entwicklung von Pflanzen und Tieren in diesem Gebiet. Das Ergebnis liegt nun im Sommer 2011 vor:


Zugang zum Kalkofenpark:

1. Von der Beek Bus 613 „Richter in der Beek“
2. Vom Otto-Hausmann-Ring Bus 601 „Am Eskesberg“
3. Autofahrer parken am besten bei „Richter in der Beek“
4. Treppe von der Nordbahntrasse Hpt. Dorp
(demnächst für Wanderer, Radfahrer, Skater).

Den Kalkofenpark können Sie im Rahmen des Eulenkopfwegs erkunden.
Treffpunkt mit Infotafel bei „Richter in der Beek“.
Der Weg führt in vier Rundwegen durch die Kalklandschaft.

Das Gebiet ist mit überörtlichen Rad- und Wanderwegen vernetzt, z.B. Siebengebirge-Baldeneysee und Beek-Neandertal.

Eine „Industrieroute KALK“ ist in Arbeit. Das umliegende Biotop wurde zum Lehrpfad „Eulenkopfweg“.

Info:

Die Kalkofenfreunde e.V.
Gegründet von Erika Heilmann (†2013)

Kontakt Führungen:
Herbert Wagner: 02058 / 8618

Die kostenlosen Führungen finden immer am ersten Sonntag im Monat um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist am Parkplatz hinter dem Ofen, nahe der Haltestelle „Eckesberg“.

Presse:

Adressen:

Naturwissenschaftlicher Verein
www.naturwissenschaftlicher-verein-wuppertal.de

Biologische Station Mittlere Wupper, Solingen
0212/25 42 727
www.bsmwe.de

Zeittunnel Wülfrath, Hammerstein
www.zeittunnel-wuelfrath.de

Neanderthal-Museum, Mettmann
02104/97 97-0
www.neanderthal.de

Rheinkalk GmbH, Wülfrath
05258/17-0
www.rheinkalk.de

Kalkwerk Oetelshofen GmbH, Wuppertal-Hahnenfurt
02058/891-0
www.oetelshofen.de

Kalkwerk Schäfer Neandertal
02104/97 91 342
www.kalksteinwerk-neandertal.de

Autorennachweis:

„Der Eskesberg“, Informationen der Stadt Wuppertal
Wuppertaler Lehrpfad am Eskesberg

Paul Reising
Der Kalkofen am Eskesberg,
Blütezeit, Verfall und Restaurierung eines Industriedenkmals
Paul Reising
Der Eulenkopfweg
Die Geschichte der Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen am Nordrand der Stadt Wuppertal

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins
Wuppertal 1994 Heft 47
Wuppertal 2009 Heft 61

Fotos:

Infotafel: Biologische Station Mittlere Wupper
Eskesberg: Erika Heilmann
Moschusmalve: G. Kolbe
Natternkopf: W. Stieglitz
Kleewidderchen: F. Nippel
Korallen: Ernst Haeckel 1875
Sanierung: Ressort Umweltschutz der Stadt Wuppertal
Kalkbruch Dorp: H. Guenther

Wuppertal, September 2011
Erika Heilmann / Anregungen Dirk Fischer

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