Murmelbachtal

Murmelbachtal
Der rund 3,6 km lange Murmelbach, auch Marper Bach, entspringt bei 287 Höhe in der alten Hofschaft Marpe nahe Lichtscheid am Rande des ehemaligen Standortübungsplatzes Scharpenacken. Schon kurz hinter seiner Quelle wird er in einer Kette von Teichen gestaut, von denen einige Teil des Vorwerkpark sind. Er fließt am Rande der Barmer Anlagen durch das Murmelbachtal, gibt dem alten Pilgerheim Murmelbachtal am Fuß des Scharpenacker Bergs seinen Namen und verschwindet kurz darauf in einer ca. 800 m langen Verdolung, in der er den Wuppertaler Stadtteil Heckinghausen durchquert. Bei der Heckinghauser Zollbrücke mündet er, nur noch einmal kurz an die Oberfläche tretend, in die Wupper.

wasserpflanzen

Von seiner Quelle bis zum letzten Stauteich ist der Bachlauf als Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 16 Hektar ausgewiesen. Der Schutz erfolgte

  • zur Erhaltung und Entwicklung von Lebensgemeinschaften und Lebensstätten wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tierarten
  • zur Erhaltung der Teiche und des naturnahen Bachlaufes
  • wegen seiner Bedeutung für Amphibien, Wasservögel, Schmetterlinge und Reptilien,
  • wegen seiner gut ausgebildeten Pflanzengesellschaften
  • wegen des gut ausgebildeten Biotopkomplexes
  • wegen des wertvollen Auenwaldes und der wertvollen Bachaue

Auf lange Sicht ist geplant, den gesamten Murmelbach naturnah umzugestalten, Verrohrungen zurückgebaut und die künstlich angelegten Teiche abgelassen werden. Denn die Durchgängigkeit des Murmelbaches ist für Gewässerstruktur und die Tier- und Pflanzenwelt von großer Bedeutung.

murmelbach-kanalisiertDer kanalisierte Murmelbach hinter dem letzen Teich an der Konradswüste

Gleichzeitig dient er im gleichen Bereich als beliebtes Naherholungsgebiet und ist umsäumt von zahlreichen Wanderwegen. Er verbindet mit den Barmer Anlagen und dem ehemaligen Standortübungsplatz Scharpenacken zwei größere Erholungsgebiete. Der kleinere, ehemals private Vorwerkpark liegt am Oberlauf zwischen den beiden großen Erholungsflächen.

teich-murmelbach

Die Geschichte

Die traurige Entwicklung des Barmer Waldes zum Barmer Busch aus Stockausschlag und baumloser Heide bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kehrte sich im 19. Jahrhundert glücklicherweise völlig um. Die Bevölkerung fing an, die Bedeutung des Waldes für die Landeskultur, für den Schutz der Landschaft gegen Erosion, für den Wasserhaushalt und das Klima zu erkennen. Hinzu kam die Angst vor einer drohenden Holznot. Um die Wende des 18./19. Jahrhundert fingen vorwiegend die Gemeinden an, die Waldreste aufzukaufen, um sie unter eine geregelte Forstwirtschaft zu stellen. Auch die Stadt Barmen stand hierbei nicht zurück.

Wie schon bei Kirchen- und Schulgründungen war in Barmen auch hierbei Privatinitiative von entscheidender Bedeutung. Es fanden sich weitsichtige Bürger, die eine Wiederbewaldung der Kahlflächen und öden Bergrücken einleiteten.

Eine der wichtigsten Bürgerinitiativen hierzu wurde 1864 gegründet: der Barmer Verschönerungsverein. Der Zustand des Waldes war damals noch nicht rosig. Über den Barmer Wald heißt es : „… in demselben (waren jedoch) keine starken Eichen sondern nur alte Birken, Buchen und Erlen vorhanden.“ Der Verschönerungsverein führte von Beginn an ein planmäßiges Aufforstungsprogramm durch, so auch im Murmelbachgebiet. Dies ergab binnen weniger Jahrzehnte die Grundlage für einen leistungsfähigen Hochwald. Zwar ließ der Waldfrevel zunächst nur wenig nach, kein Wunder nach den Jahrhunderten der nur dem Eigennutz dienenden Waldnutzung. Allmählich gelang es aber, den alten Waldzustand wieder herzustellen, getreu nach dem Nachhalteprinzip der Forstwirtschaft, d.h., es darf immer nur soviel Holz geschlagen werden, wie nachwächst.

villa-emma-blick-ins-murmelbachtalVilla Emma das Sommerhaus von Adof Vorwerk,
im Tal das Pilgerheim am Murmelbach

Der so geschaffene Wald mußte dann auch für die Erholungssuchenden „möbliert“ werden – wie das heute im Verwaltungsdeutsch heißt. Sitzbänke, Schutztempel, ja sogar Aussichtstürme mußten den Wald zieren. Schon 1886 stellte der Barmer Verschönerungsverein auf der Suche nach einem geeigneten Standort für den Toelleturm zur Prüfung der Aussicht auf dem Deisemannskopf einen hölzernen Behelfsturm auf. Die zu geringe Höhe des Berges von nur ca. 280 m sprach aber gegen diesen Standort. Wenn auch der Toelleturm deshalb an anderer Stelle gebaut wurde, war damit das Heckinghauser Turmprojekt noch nicht gestorben. Treibende Kraft war nun der Rittershauser Spatenclub, in dem sowohl Rittershauser wie Heckinghauser ihren Gemeinsinn bewiesen.

Der Spatenclub war 1886 gegründet worden, ursprünglich um bei den damals erfolgenden großen Eisenbahnbauprojekten Verständnis für diese Unternehmen „vom ersten bis zum letzten Spatenstich“ zu wecken. Da sich der Bahnbau hinzog, wandte sich der Spatenclub anderen Dingen zu, so auch dem Bau eines Aussichtsturmes auf dem Deisemannskopf. 1890 entstand ein hölzerner Versuchsturm, der am 14. August fertig wurde. Auf der Spitze war eine Fahne aufgehißt, die „in der ganzen oberen Stadt zu sehen war.“ Unter dem 11. März 1891 meldet die Barmer Zeitung dann allerdings, daß der hölzerne Turm seit einiger Zeit verschwunden und wahrscheinlich den Stürmen des Winters erlegen sei. Es gab aber schon Pläne für einen dauerhaften, massiven Turm sowie eines nahebei gelegenen Wirtschaftsgebäudes. Ein anderer Plan sah ein burgartiges Gebäude mit Turm vor, in dem das Publikum geschützt und bei guter Verpflegung die schöne Aussicht genießen sollte.

Mangelnde Geldmittel vereitelten diese hochfliegenden Pläne. Zumindest ein Kinderspielplatz wurde schließlich eingerichtet. 1896 bot sich jedoch eine andere Gelegenheit, den Gipfel des Deisemannskopfes durch eine Attraktion zu verschönern. In den Barmer Anlagen war der dortige Musiktempel infolge des Neubaus der Barmer Stadthalle (Eröffnung 1897) entbehrlich geworden. Der Spatenclub konnte den Verschönerungsverein überreden, den Tempel zum Deisemannskopf zu verlagern und dort neu zu errichten. Hierfür sowie zur Wegeerneuerung und der Erstellung einer dauerhaften Brücke über den Murmelbach beim „Bunten Stein“ stellte der Spatenclub dem Verschönerungsverein 2600 Mark zur Verfügung.

Schon im folgenden Frühjahr wurde der Tempel jedoch durch Vandalismus übel zugerichtet: Die bunten Scheiben waren zerschlagen, die Türe herausgerissen, das Innere demoliert und beschmutzt. Es wurden erhebliche Renovierungsarbeiten erforderlich. 1898 konnte dann neben dem Tempel ein Ausschank von Bier und Erfrischungen eröffnet werden. Später wurde auch noch ein Fernrohr aufgestellt, mit dem man bei gutem Wetter angeblich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf Hohensyburg sehen konnte. Der Musiktempel existierte noch bis in die 30iger Jahre des vorigen Jahrhunderts, wenn auch schon stark verfallen, während der bisher so rührige Rittershauser Spatenclub bereits im Oktober 1897 seine Tätigkeit einstellte und den Restbetrag der Vereinskasse von 1.500 Mark dem Barmer Verschönerungsverein vermachte. Aus dem als Geselligkeitsverein weiterbestehenden Spatenclub entstand später der heute nicht mehr existierende Rittershauser Bezirksverein.

villa-murmelbach1910Villa Murmelbach vor 1910
Der Teich liegt zwischen Murmelbachstraße und Zur Konradswüste

Nicht nur auf dem Deisemannskopf entstanden Gebäude zum Nutzen der Wanderer, sondern auch im Murmelbachtal. Das bekannteste war die Villa Murmelbach mit einem großen Teich, der im Sommer als Gondelteich und im Winter zum Eislaufen diente. In den 1890er Jahren von Gustav Dierichs, einem der Inhaber der Adlerbrauerei erbaut, war sie bis zu ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg ein beliebtes Ausflugziel der Heckinghauser Bevölkerung. Auch hier stand zeitweilig ein Musiktempel, der 1893 an der Ostseite des Teiches erbaut worden war. Das städtische Orchester veranstaltete hier regelmäßig Abonnements-Konzerte.

pilgerheim
Bis um die Jahrhundertwende war das mittlere Murmelbachtal zwischen Linienstraße und Villa Murmelbach noch nahezu unbebaut. In der Nähe der Villa Murmelbach standen allerdings auch schon einige Fabriken, so die Bandfabrik Kemna und die Fassondreherei Behling. Weiter bachaufwärts existierte nur noch das Pilgerheim, daß der Bleicher Emil Lüttringhaus aus der Bredde mit Grünanlagen, Garten und Teich erbaute.

Pilgerheim-im-MurmelbachtalDas Pilgerheim lag schon auf Ronsdorfer Gebiet.

Während des zweiten Weltkriegs entstand auf dem Deisemannskopf und den Scharpenacker Bergen je eine eine Flakstellung.

Der folgende Winter 1946/47 war jedoch extrem hart. Schon vor Weihnachten und Anfang Januar kam es zu einer scharfen Frostwoche. Vom 8. bis 20. Januar blieb die Schule Rübenstraße wie alle Schulen wegen Kohlenmangels geschlossen. Von Mitte Januar bis Mitte März herrschte dann andauernde Kälte, zu der Anfang März noch erhebliche Schneemassen kamen. Zu den Entbehrungen infolge des Hungers kamen nun noch die Entbehrungen durch die Kälte. So begab sich die Bevölkerung nicht nur auf die Suche nach Eßbarem sondern auch nach Brennstoff. Der „Kohlenklau“ ging um. Schon ab Sommer 1945 hatte die Besatzungsmacht einen begrenzten Holzeinschlag in Wuppertals Wäldern zugelassen. Nun aber griffen wilde Fällungen um sich. Das Resultat war, das große Teile des Murmelbachtales ihren schönen Wald verloren. Fast kahl war der Deisemannskopf; nur ein einzelner Baum, der an einer besonders unzugänglichen Stelle stand, blieb erhalten. Man konnte ihn noch mehrere Jahrzehnte über den allmählich wieder wachsenden Wald emporragen sehen.

wald-blaubeerenHochwald mit Eichen und Unterwuchs von Baubeeren


Quelle: Wikipedia: Murmelbach
Text zur Geschichte von Gerhard Dabringhausen
Fotos K.-G. Conrads & M. Felstau

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