Schniewindscher Park

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Im Rahmen des Stadtteilprojektes Ostersbaum aus dem Programm Soziale Stadt NRW wurde der 1,8 ha große Schniewindsche Park neu angelegt. Seit September des Jahres 2001 ist er wieder frei zugänglich. Das Parkgelände und der Spielplatz sind über die Zugänge von der Deweerthstraße und der Metzer Straße sowie vom Engelnberg und der Kellerstraße aus zu erreichen.

Obwohl der Schniewindsche Park eine der we­nigen Grünanlagen in diesem dicht besiedelten Wohngebiet war, wurde er von vielen Bewohnern ge­mieden. Durch seinen dichten Be­wuchs mit Bäumen und Büschen und die Erschließung durch einen dunklen Hohlweg wirkte er un­übersichtlich und vor allem auf Kinder und Frauen beängstigend. Hier setzten die Initiatoren auf die Beteiligung der Menschen, die bei der Gestaltung des Parks mitmachen konnten. Kinder aus dem Stadtteil bauten Mosaik­platten, die später wie ein Band in die Wege des Parks eingelassen wurden. Wild wachsende Büsche und Bäume wurden herausgenom­men und der Weg verlagert. Der Schniewindsche Park ist heute ein heller freundlicher Ort, an dem sich die Menschen gerne aufhalten.

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Der Park war früher in Privatbesitz. Auf diesem Gelände bewohnte die Fabrikantenfamilie Julius und Elisabeth Schniewind geb. Burchard mit Ihren sechs Kindern, fünf Jungen und ein Mädchen, eine im Jahre 1892 erbaute repräsentative Grunderzeit-Villa. Diese erhob sich hinter einer heute noch erhaltenen Bruch-Steinmauer in der Deweerthstraße 65-67. In einem Anbau der Villa wohnte Elisabeth Schniewinds verwitwete Mutter Marianne Burchard.

Villa_Schniewind

Anders als andere Fabrikantenfamilien wohnte die Familie in der Nähe der Fabrik, die Julius Schniewind über einen kleinen Privatweg im Hang unterhalb der Villa erreichen konnte.

Auf dem Fabriikgelände standen die Pferde der gesamten Familie Schniewind. Das Kutscherhaus, die Remise, bewohnt vom Kutscher und dem Gärtner, befand sich direkt an der Deweerthstraße unterhalb der Villa. Im Dachgeschoß der Villa waren die Dienstmädchen der Familie untergebracht. Neben der Remise gab es eine offene Halle mit Turngeräten für die Sportliche Familie. Im früheren Park, der sich an die Villa anschloss, gab es Obstbäume, Beerenstraucher und sogar vier Treibhäuser, in denen besondere Rosen und Weintrauben gezüchtet wurden.

An der Stelle des jetzigen Spielbereiches befand sich ein Tennisplatz. Daneben stand ein Schieferhäuschen, das „Tennishäuschen“, mit hübschem Walmdach und einem Wasseranschluss. Sein noch vorhandener Fliesenboden wurde bei der Neugestaltung des Parks restauriert und mit einer Pergola in den Maßen des ehemaligen Häuschens versehen. Die am unteren Parkweg erhaltene Grotte diente den Damen als schattiger Platz für die nachmittäglichen Kaffeestunden.

grotte

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Anwesen ais »ausländischer Besitz« enteignet, weil der in Amerika lebende Sohn Ewald dieses nach dem Tod der Mutter Elisabeth Schniewind geerbt hatte. Die beschlagnahmte Villa wurde für die Hitlerjugend (HJ) genutzt, besonders für die „Jungmädel“ (JM) und den „Bund Deutscher Mädel“ (BDM). Beim Bombenangriff im Jahre 1943 wurde das Haus zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Familie das Eigentum zurück und verkaufte es in den darauf folgenden Jahren. In den siebziger Jahren entstand an der Stelle der ehemaligen Villa ein Mehrfamilienhaus.

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Karte ca. 1920

Elisabeth Schniewind (1854-1924) und die Wohltätigkeit
Das Ehepaar Schniewind fühlte sich wie andere Fabrikantenfamilien jener Zeit aus dem Glauben heraus zur öffentlichen Wohltätigkeit verpflichtet.

Julius Schniewind war Ältester (Presbyter) und  Kirchmeister der Evangelisch lutherischen Gemeinde Elberfeld.  Er gehörte der Provinzial-Synode an sowie dem Vorstand verschiedener evangelischer Organisationen wie der Stadtmission und der Rheinischen Mission. Darüber hinaus war der Fabrikant auch Handelsrichter beim Landgericht Elberfeld.

Elisabeth Schniewind engagierte sich nach dem Grundsatz „Bewahren ist besser als retten“ für junge Mädchen und Frauen in der wachsenden Großstadt der Textilindustrie. Sie war langjährige Vorsitzende des Vereins der „Freundinnen junger Mädchen“ in Elberfeld. Dieser im Jahre 1880 gegründete Verein war Teil der internationalen Sittlichkeitsbewegung. Frauen des Bürgertums versuchten, junge Madchen und Frauen, die auf der Suche nach Arbeit vom Lande in die wachsenden Industriestädte strömten, vor den »sittlichen Gefahren der Großstadt« zu bewahren.

Der Elberfelder Verein betrieb unter dem Vorsitz von Elisabeth Schniewind mit deren besonderer finanziellen Forderung die Bahnhofsmission sowie zwei Wohnheime, das Lydiaheim I für junge Arbeiterinnen und das Lydiaheim II für Dienstmädchen.

In der Königstraße, heute Friedrich Ebert-Straße, gründete der Verein im Jahre 1912 den „Club für junge Madchen und Frauen“ zur Bildung und Geselligkeit für junge Verkäuferinnen der neuen großen Kaufhäuser.

Elisabeth Schniewind war maßgebliche, beteiligt an der Gründung und Unterhaltung des Evangelischen Fürsorge und Säuglingsheims in der Schleswiger Straße 73 für junge unverheiratete Mutter, die bei der strengen damaligen Moral von der Familie geächtet und verstoßen wurden.  Im Jahre 1909 fanden im Fürsorgeheim unverheiratete Mutter mit ihren Kindern Aufnahme und im Säuglingsheim wurden 31 Kinder versorgt.

Elisabeth Schniewind war auch Mitglied und zeitweilige Vorsitzende im Elberfelder Frauenverein. Sie forderte hier die Einrichtung der ersten Kinderkrippen. Aus diesen entstand u. a. im Jahre 1896 ein Hort mit Säuglingsstation für die Kinder von Arbeiterinnen in einem vereinseigenen Haus in der Flensburger Str. 39 Heute befindet sich in dem noch erhaltenen Gebäude ein städtischer Kinderhort.

Durch eine Schenkung trug Elisabeth Schniewind wesentlich zum Bau des ‚Evangelisch-lutherischen Gemeindehauses am Engelnberg‘ bei, das im Jahre 1910 eingeweiht wurde, die heutige Thomaskirche in der Opphoferstr 60. Um das Jahr 1919, »als uns die neue Zeit (die Weimarer Republik) das Frauenstimmrecht bescherte“, wurde Elisabeth Schniewind die erste Presbyterin der Evangelisch-lutherischen Gemeinde Elberfeld.

Text Infotafeln im Park
Elke Brychta und Anna-Maria Reinhold

Nachbarschaftsheim Wuppertal e.V.
Platz der Republik 24-26
42107 Wuppertal

Tel.: 0202 / 245 19-0
Fax: 0202 / 245 19-19

E-Mail: info@nachbarschaftsheim-wuppertal.de
Internet: www.nachbarschaftsheim-wuppertal.de

Quellen

Historisches Foto: Gisela Schniewind (Wolf Birke)

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