Barmer Wald – Waldgeschichte

buchenwald

Am Anfang war der Wald
Von Klaus-Günther Conrads

Im Wandel der Zeiten unterlag der Barmer Wald vielen Veränderungen. Bis ins 8. Jahrhundert war das Bergische Land wenig erschlossen. Mit der einsetzenden Besiedlung wurde der Wald durch Rodung gedrängt. Die Siedler rangen dem Wald das Land für eine bescheidene Acker- und Viehwirtschaft ab, bis nur noch breite Waldstreifen die Siedlungen voneinander trennten. Aus diesen Grenzwäldern entwickelten sich vom 9. bis 11. Jahrhundert die so genannten Gemarkewaldungen. Die Siedler schlossen sich zu Markgenossenschaften zusammen und nutzten den Wald gemeinschaftlich. Das gemeinsame Eigentum in den Gemarken betraf auch Fischfang und Jagd. Die Markgenossen wählten einen Vorsitzenden und gaben sich selbst eine strenge Ordnung, das Weißtum. So mussten für jeden gefällten Baum zwei neue Bäume gepflanzt und gegen Wildverbiss mit Dornen geschützt werden. Der heute noch vorhandene Barmer Wald ist aus dem Gemarkenwald entstanden. Die genossenschaftliche Bewirtung des Gemarkenwaldes war für den Waldzustand segensreich und die natürliche Holzartenzusammensetzung von Traubeneichen-, Buchen- und Birken-Mischwäldern.

Am Ausgang des Mittelalters kam durch Raubbau die genossenschaftliche Ordnung ins Wanken. Über lange Zeiträume setzte eine große Waldzerstörung ein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Gemarken aufgeteilt. Das Markengericht beschloss um 1700 die Auflösung der Gemarken, mit dem Hinweis auf die Disziplinlosigkeit, die in ihnen herrschte. Nach der Teilung begann eine noch rücksichtslosere Ausplünderung und Verwüstung der Wälder. Besonders zerstörend für Wald und Waldboden wirkte sich die Streunutzung aus. Die für den Wald lebensnotwendige Bodenstreu wurde von den Bauern für das Einstreuen des Viehs verwendet. Schließlich entstand der so genannte Barmer Busch aus Stockausschlag und baumloser Heide. Das Ende des Barmer Waldes war besiegelt.

Eine neue Ära
Dieser Zustand dauerte fast ein Jahrhundert an, bis Ende des 18. Jahrhunderts vorwiegend die Gemeinden die Waldreste aufkauften, um sie unter eine geregelte Forstwirtschaft zu stellen. Die Bevölkerung fing an, die Bedeutung des Waldes für die Landeskultur, für den Schutz der Landwirtschaft gegen Erosionen, für den Wasserhaushalt und das Klima zu erkennen. Hinzu kam die Angst vor einer drohenden Holznot. Es fanden sich weitsichtige Bürger, die unverzüglich eine Wiederbewaldung der Kahlflächen und öden Bergrücken einleiteten. Um die Wende zum 19. Jahrhundert wurde innerhalb weniger Jahrzehnte durch großflächige Aufforstung die Grundlage für einen leistungsfähigen Hochwald geschaffen. Es war gelungen, den alten Waldzustand wieder herzustellen, getreu nach dem Nachhaltigkeitsprinzip der Forstwirtschaft: Es darf nur so viel Holz geschlagen werden, wie nachwächst.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) musste gegen dieses Prinzip schwer gesündigt werden, weil es großen Brennstoffmangel gab. Fast der gesamte Barmer Wald fiel unverjüngt der Axt zum Opfer, um die Not der Menschen zu lindern. Besonders im Murmelbachtal wurde der gesamte Wald vernichtet. Die Folge war ein gestörtes Altersklassenverhältnis und verlichtete Bestände.

Dem Erhalt des Waldes dient auch die Harmonie von Ökonomie und Ökologie. Das waldbauliche Ziel ist nicht mehr allein die Massenerzeugung von Holz. So ist im Barmer Wald die Kahlschlagwirtschaft schon lange von der naturnahen Waldwirtschaft abgelöst worden. Natürliche Wälder sind Lebensgemeinschaften von großer Stabilität und Selbsterhaltungskraft. So können beispielsweise im Halbschatten älterer Bäume junge Forstpflanzen mehrschichtig zu neuen Bäumen heran wachsen. Hinzu kommt die Schaffung von Mischbeständen und die Anlage eines Waldmantels aus standortgerechten Gehölzen. In den 1970er Jahren begann ein durch Luftschadstoffe ausgelöstes, anhaltendes Waldsterben, das nach den Nadelbäumen auch Laubbäume erfasste.

Industrialisierung im 19. Jahrhundert
Wie jedes Jahrhundert sein eigenes Gesicht prägt, so brachte das 19. Jahrhundert, insbesondere in seiner zweiten Hälfte, grundlegende und entscheidende Änderungen mit sich: die Industrialisierung trat ihren Siegeszug an und mit ihr kam eine Umgestaltungswelle, die nicht nur den einzelnen Menschen erfasste, sondern insbesondere Besitz von Natur und Landschaft ergriff. Auch Barmen, diese idyllisch an der Wupper gelegene Stadt der Bleicher und Färber, kam bei der damals sprunghaften Ausdehnung mit seiner Tal-Niederung zu beiden Seiten des Flusses nicht mehr aus. Die Bleicherwiesen entlang der Wupper mussten Fabriken, Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden weichen. Die Besiedlung schob sich aus dem engen Tal an den beiderseitigen Hängen hinauf, wo sie die landwirtschaftlichen Höfe allmählich verdrängte. Das für den Bau von Produktionsstätten und Wohnhäusern benötigte Baumaterial wurde aus den heimischen Wäldern geholt. Wertvoller Baumbestand ging verloren.

Vielfältiger Barmer Wald
Fichtenbestände gibt es im Barmer Wald nur vereinzelt, weil diese Baumarten in Zeiten der Frühindustrialisierung abgestorben sind und ihnen nur geringe Widerstandsfähigkeit zugerechnet wird. Ansonsten sind die Baumbestände an Alter und Sorten strukturreich. „Eine Freude für Auge und Naturschützer“, gibt Albert Vosteen, Abteilungleiter der Stadt Wuppertal für alle Forstflächen, gerne zu.
Auch Tiere und Fische leben im südstädtischen Grüngürtel nicht schlecht. Es gibt Rehe, Füchse, Marder, Waschbären, Eichhörnchen und Greifvögel vom Mäusebussard über Sperber bis zum Eichelhäher. Im Murmelbach wurden Ringelnattern und viele Vogelarten, wie Wasseramsel und Eisvogel, beobachtet. Auch Forellen legen Zeugnis für eine gute Wasserqualität ab. In Sorge um das Naturparadies Murmelbachtal wurden rund um Toelleturm und Lichtenplatz notwendige Entwässerungsanlagen gebaut, die nur geringe bauliche Eingriffe im Umfeld des Vorwerkparks notwendig machten. „Die Natur ist in gutem Zustand. Vielfalt und Schönheit haben mehr Beachtung verdient“, resümiert Forstmann Vosteen. Er erinnert aber auch, dass dieser Erholungswald mit seinem dichten Wegenetz und Schutzhütten und Bänken, die zum Verweilen einladen, nicht statisch ist, sondern die Bäume lebendig sind. 600 Kubikmeter Holz wachsen in jedem Jahr zu, was etwa 25 LKW-Ladungen entspricht. Damit sich der Nachwuchs entwickeln kann, sind regelmäßige Auslichtungen notwendig.

Warum blühen in den Barmer Anlagen und im Barmer Wald selten Blumen blühen und warum vermehren sie sich nicht? Der Boden ist sauer und für Blumen ungeeignet! Es half nur den Bäumen, dass innerhalb von 15 Jahren die Fläche zweimal aus der Luft gekalkt wurde. Der saure Regen macht Wiederholungen alle 7-9 Jahre notwendig.

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Der Barmer Wald speziell und Wuppertaler Wälder allgemein

Von Klaus-Günther Conrads

Der Barmer Wald ist ein großer Bestandteil der Barmer Anlagen. Und weil sich der Barmer Verschönerungsverein diese Fläche entlang des Murmelbachtals bis zum Kothen mit der Stadt teilt, führte Albert Vosteen, Forstabteilungsleiter im Ressort Grünflächen und Forsten, Jubiläumsgäste des BVV, über die Südhöhen, die noch vor 200 Jahren fast kahl waren und die Bäume zuletzt nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Brennholz dienten. Heute dürfen die Menschen einen gesunden, gut gepflegten Wald genießen, wie das junge Unterholz nach mehreren Waldkalkungen beweist. „Seit einem Vierteljahrhundert machen wir keine Kahlschläge mehr, sondern lichten aus, wo es wegen des Wachstums der Nachbarbäume nötig ist“, erläutert Albert Vosteen. Jungbäume wachsen nach. Unterwegs erzählt er, dass der Verschönerungsvereins oft nur Geländestreifen erwerben konnte und die Arrondierung durch Flächentausch mit Stadt und Vorwerks Bergischer Terraingesellschaft bis in die Gegenwart gedauert hat. So gelangte auch die 1908 zum 100. Geburtstag der Stadt Barmen gepflanzte Jahrhunderteiche in Stadtbesitz. Da sich die beiden am Jahrhundertplatz stehenden Eichen gegen die schneller wachsenden Buchen behaupten muss, hat das Naturdenkmal nur eine kleine, schwache Krone. Der Nachbareiche geht es deutlich besser. Die beiden Eichen wurden durch Fällung von Buchen freigestellt.

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